Saterfriesisch

 

 

Willkommen auf unserer Informationsseite zum Thema Saterfriesisch.

Unser Seelterfoaks heißt Sie Herzlich Willkommen.

 

Litje Skoule Skäddel - Grundschule Scharrel

 

Konzept Saterfriesisch

 

Zum Konzept

Unser Konzept „Saterfriesisch in der Schule“ stützt sich auf mehrere Pfeiler.
Der Unterricht in AGs und der Immersionsunterricht bilden zwei grundlegende Pfeiler. Unserer Schule stehen 4 Lehrerstunden als Zusatzbedarf zur Verfügung, die wir jährlich beantragen können. Diese Stunden werden für den aufbauenden Unterricht in den AGs von Klasse 1 bis Klasse 4 genutzt. Für diesen Unterricht stehen drei unserer Lehrkräfte zur Verfügung. Für den Immersionsunterricht gibt es keine zusätzlichen Lehrerstunden. Für diesen Unterricht stehen zwei unserer Lehrkräfte zur Verfügung. Zusätzlich benötigen wir die 100%ige Zustimmung der Elternschaft dieser Klasse(n).

Daraus ergibt sich, dass die verfügbaren Lehrkräfte eine entscheidende Rolle spielen und einen weiteren Pfeiler bilden. Ohne Personal gibt es keinen Saterfriesischunterricht.

Aber auch ohne die Zustimmung der Eltern, kann der Immersionsunterricht nicht stattfinden.   

Grundlegend ist auch das erstellte Material für den Unterricht. Es bildet einen sehr wichtigen Pfeiler, denn nur mit einem durchdachten, fortschreitenden Unterrichtsplan lässt sich Sprache nachhaltig aufbauen.
Ein weiterer Pfeiler ist die Sichtbarkeit und Hörbarkeit der saterfriesischen Sprache im Schulalltag. Deshalb wird sie in Form von Aushängen verschiedenster Art und Beteiligung der Schüler an schulinternen Veranstaltungen eingebracht.

Allen Lehrer und Schülern unserer Schule soll die sprachliche Ausrichtung unserer Schule bewusst sein und sie sollen so oft wie möglich mit der Sprache in Berührung kommen.

Wichtig sind auch die Wirkung und Wahrnehmung unserer Arbeit nach außen und die Information über die Hintergründe unserer Arbeit mit Saterfriesisch.  Deshalb bauen wir auf eine gute Öffentlichkeitsarbeit in Form von Pressemitteilungen und Elternabenden sowie Einbeziehung der Eltern bei Veranstaltungen. Auch unsere Homepage kann als Informationsquelle dienen.

 

  1. Grundlagen

In der „Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen“ wird Saterfriesisch als eigenständige Minderheitensprache benannt und erfährt damit internationalen Schutz. Deshalb sind Maßnahmen zum Erhalt und zur Förderung der saterfriesischen Sprache dringend notwendig.

 

Legitimierung für den Gebrauch der saterfriesischen Sprache im Unterricht ist das Niedersächsische Schulgesetz, der Erlass „Die Region und die Sprachen Niederdeutsch und Saterfriesisch im Unterricht“ (RdErl. des MK v. 1.6.2019 – 32 – 82101/3-2, gültig ab 1.8.2019) und das Kerncurriculum für das Fach Deutsch.

 

1.1 Im Niedersächsischen Schulgesetz wird ausdrücklich auf die beiden Sprachen Niederdeutsch und Friesisch (Saterfriesisch und die verschiedenen Ausformungen des Nordfriesischen) hingewiesen.
Dort heißt es in
§ 2 Abs. 1 Satz 3, dass die Schülerinnen und Schüler fähig werden sollen, „ihre Wahrnehmungs- und Empfindungsmöglichkeiten sowie ihre Ausdrucksmöglichkeiten unter Einschluss der bedeutsamen jeweiligen regionalen Ausformung des Niederdeutschen oder des Friesischen zu entfalten”.

1.2 Zu Beginn des Schuljahres 2019 ist der Erlass „Die Region und die Sprachen Niederdeutsch und Saterfriesisch im Unterricht“ in Kraft getreten. Niederdeutsch und Saterfriesisch werden als besondere, wertvolle und schützenswerte Kulturgüter der Region anerkannt. Die niederdeutsche und die saterfriesische Sprache sind besondere kulturelle Reichtümer unseres Bundeslandes. Kenntnis von und Teilhabe an diesen Sprachen ermöglichen die Stärkung einer mehrdimensionalen Identität für alle Bewohnerinnen und Bewohner.“
Dem Erhalt und der Förderung der Sprachen der Region wird hier besondere Aufmerksamkeit geschenkt und die Entwicklung regionales Bewusstsein als pädagogischer Auftrag der Schule genannt.
„Mit der Regionalsprache Niederdeutsch (Plattdeutsch) und der Minderheitensprache Saterfriesisch besitzt das Land neben der Amtssprache zwei so genannte kleine Sprachen, die eine Jahrhunderte alte Tradition aufweisen und einer besonderen Förderung bedürfen, um sie zu erhalten.“

Bei der Thematisierung regionaler Inhalte im Unterricht „sollte auch der Bezug zur Sprache der Region (Niederdeutsch / Saterfriesisch) hergestellt werden. Dies erfolgt zum einen verpflichtend im Fachunterricht, zum anderen im Wahlpflichtunterricht, in Arbeitsgemeinschaften, bei Projekten und durch Angebote der Ganztagsschule sowie durch die Einbeziehung außerschulischer Lernorte.“
Eine Sprachbegegnung ist im Deutschunterricht der Grundschule verpflichtend.

„Der Erhalt der Sprache macht es darüber hinaus erforderlich, dass in Schulen zum einen bereits vorhandene Sprachkenntnisse, die im Elternhaus, in Kindertagesstätten usw. erworben wurden, gefördert, erweitert und vertieft werden, zum anderen auch der Spracherwerb für diejenigen Schülerinnen und Schüler ermöglicht wird, die noch über keine Sprachkenntnisse verfügen.“

Die Grundschule kann „in ausgewählten Fächern der Pflichtstundentafel mit Ausnahme der Fächer Deutsch und der Fremdsprache Unterricht in der Regional- oder der Minderheitensprache erteilen.“ (Immersionsunterricht)

Allerdings ist dafür die Zustimmung der Erziehungsberechtigten erforderlich.

Die weiterführenden Schulen sollen prüfen, ob eine Sprachfortführung möglich ist.

 

1.3 Im Kerncurriculum Deutsch wird die Einbeziehung der Regionalsprache ausdrücklich gefordert. So heißt es unter Punkt 1 Bildungsbeitrag des Faches:

„Die verschiedenen Herkunftssprachen in den Lerngruppen sowie die Regionalsprache Niederdeutsch und die Minderheitensprache Saterfriesisch finden im Deutschunterricht Berücksichtigung. Diese Sprachen und die spezifischen Kompetenzen ihrer Sprecherinnen und Sprecher werden als Bereicherung angesehen. So erwerben die Schülerinnen und Schüler ein vertieftes Verständnis für verschiedene Kulturen und werden zur Selbstreflexion und zum respektvollen Umgang miteinander angeleitet.“

 

  1. Frühe Zwei- und Mehrsprachigkeit

2.1 Regionalität

Eine eigene Sprache gehört zu den grundlegenden Elementen regionaler Identität. Erfahrungen in anderen europäischen Ländern zeigen, dass regionale Schaffenskraft und positives Ansehen der Regionalsprache miteinander gekoppelt sind.

Aus dieser Perspektive trägt Regionalsprachenförderung zur eigenständigen Regionalentwicklung bei.

 

2.2 Vorteile
Im Saterfriesischunterricht verbinden sich sprachliches und interkulturelles Lernen. Die Schüler nehmen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Sprachen wahr, indem sie neben ihrer Muttersprache eine andere Sprache kennen lernen. Die eigenen Denk- und Sprachstrukturen können relativiert, Reflexionen und Vergleiche angebahnt werden.

Weiterhin bringt die frühe Zwei- oder Mehrsprachigkeit eine Reihe von Vorteilen:

 

 

 

 

 

 

Die Muttersprache leidet nicht unter der Einführung einer zweiten Sprache – im Gegenteil: bilinguale Kinder schnitten bei Sprachvergleichstests sogar etwas besser ab als die monolingualen.

Da es im Saterland mit ca. 13000 Einwohnern nur noch etwa 1500 aktive Sprecher gibt, stehen wir vor der Situation, Saterfriesisch als Fremdsprache vermitteln zu müssen.

„Wenn (...) die kognitive Entwicklung des kleinen Kindes durch das Erlernen einer zweiten oder dritten Sprache gefördert wird, dürfte es (...) völlig egal sein, ob Plattdeutsch, Dänisch, Friesisch, Englisch oder Französisch gewählt wird.“ (Henning Wode)

 

 

  1. Zum Unterricht

Auf der Grundlage der bisher erworbenen Sprachkenntnisse im Kindergarten wird der Saterfriesischunterricht in Scharrel aufbauend vom ersten bis zum vierten Schuljahr erteilt.

 

Es stehen 4 Lehrerstunden für den Saterfriesischunterricht zur Verfügung. In jeder Jahrgangsstufe ist deshalb eine einstündige AG Saterfriesisch eingerichtet worden, an der die Schüler der Jahrgangsklassen freiwillig teilnehmen können.

 

3.1 Der Unterricht in den Arbeitsgemeinschaften

Bei der Arbeit in den Arbeitsgemeinschaften können die Lehrkräfte zwei verschiedene Lehrgänge benutzen.

 

3.1.1 Lehrgang 1
Einerseits steht das über viele Jahre von den Saterfriesisch-Lehrkräften selbst entwickelte Material für die Arbeitsgemeinschaften der Klassen 1– 4 zur Verfügung.

Es orientiert sich an Themenfeldern aus der Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler: Jahreszeiten, Kleidung, Haustiere, Körperteile, Feste usw.  Durch einfache, eindeutige und motivierende Situationen werden die Kinder zum Sprechen angeregt. Im Mittelpunkt steht das Sich-Einhören und Vertraut-Werden mit der gesprochenen Sprache sowie das Hörverstehen. Sie sind eine wichtige perzeptive Lernleistung. Priorität besitzen die mündlichen Lernleistungen. Der darauf aufbauende produktiv-mündliche Teil umfasst als Basis das unmittelbar imitierende und reproduzierende Sprechen (Auswendiglernen), auf der das gelenkt reproduktive und das ungelenkt freie Sprechen erfolgen kann.

Die sekundären Fertigkeiten „Lesen“ und „Schreiben“ sind nicht verpflichtend und haben flankierende, d.h. die mündlichen Bereiche stützende Funktion. Sie werden aber – wenn es methodisch und curricular angemessen erscheint – angeboten.

Das Lesen nimmt dabei einen größeren Raum ein als das Schreiben. Es ist auch zu bedenken, dass das Saterfriesische ursprünglich eine gesprochene und keine geschriebene Sprache ist. Deshalb existiert auch keine offiziell festgelegte Rechtschreibung. Bei der Erstellung von Texten wird die Arbeit von Prof. Dr. Marron Fort (speziell sein Wörterbuch) als Grundlage benutzt. In Zweifelsfällen oder bei besonderen Schwierigkeiten einigen sich die Saterfriesischlehrer des Saterlandes auf eine Schreibweise.

Um der Vielfalt kindlichen Lernens gerecht zu werden, ist auch eine Vielfalt der Methoden wichtig. Die Methoden sollen erfahrungsgeleitetes, entdeckendes, praktisch-handelndes Lernen fördern. Sie sollen das Kind in seiner Ganzheitlichkeit ansprechen. Sie sollen Motivation und Lernfreude wecken und erhalten. Lieder und Reime, Erzählungen, Spiele sowie Begegnungen mit Muttersprachlern fördern das Eintauchen in die fremde Sprache. Der Spracherwerb erfolgt dabei größtenteils unbewusst. So wird aber der Bestand an Wortschatz und Strukturen erweitert und gesichert. Spiele eignen sich in besonderer Weise für fremdsprachliches Lernen, wenn sie Handeln, Darstellen und Sprechen verbinden. Die Kinder haben die Möglichkeit, sich sowohl aktiv als auch passiv, produktiv oder rezeptiv zu beteiligen. Auch eine Handpuppe kann im Prozess des Fremdsprachenlernens zusätzliche Motivation hervorrufen. Sie wird zum Kommunikationspartner in der neuen Sprache.

 

3.1.2 Lehrgang 2
Seit einiger Zeit steht uns das neue Lehrwerk „Seeltersk lopt“ zur Verfügung, das ebenfalls für alle 4 Klassenstufen aufbauend entwickelt wurde. Grundlage dafür ist die plattdeutsche Version des Lehrwerks „Platt löpt“ von Edith Sassen. Ins Saterfriesische übersetzt wurde es von Ingeborg Remmers. Beide Lehrkräfte gehören dem Kollegium der Litjen Skoule Skäddel an.

Der Lehrgang ist als Fremdsprachunterricht konzipiert. Zugrunde liegt das Kerncurriculum für Niederdeutsch, an dem zurzeit gearbeitet wird. Es orientiert sich an den Kerncurricula der Fremdsprachen und am Kerncurriculum Niederdeutsch aus Hamburg.
Das Lehrwerk umfasst für jeden Lehrgang ein Lehr- und Arbeitsbuch für die Hand des Schülers, ein Lehrerhandbuch mit Erläuterungen für jede Unterrichtsstunde sowie weiterführenden Aufgaben und Vorlagen für Bild- und Wortkarten.

Die Inhalte behandeln Themen aus der Alltagswelt der Kinder wie Zahlen, Farben, Schule, Tiere, Kleidung, Spielen, Familie, Bauernhof, Essen und Trinken usw.

Die einzelnen Kapitel bzw. Themenbereiche sind methodisch nach folgendem Muster aufgebaut:

  1. Arbeit mit Bild- und Wortkarten
  2. Dialogarbeit
  3. Bewegungsgeschichten (Röge-die-Fertälster)
  4. Kurze Sketche/Theaterstücke
  5. Eigene Texte schreiben
  6. Wörterbucharbeit

Die Bild- und Wortkarten werden eingesetzt, um den Wortschatz einzuführen und einzuüben Dies geschieht wiederholend in vielfältiger Weise. (Nachsprechen, Zuordnungen, Fragen und Antworten usw.) In der Dialogarbeit wird der Wortschatz in den Satzzusammenhang gebracht und in kurzen Dialogen mit der Möglichkeit des Einflüsterns durch den Lehrer weiter eingeübt. Die Szenen werden dabei dargestellt und sind daher besonders motivierend. Es schließen sich die Bewegungsgeschichten (Röge-die-Fertälster) an. Über die Bewegung werden Inhalte transportiert und mit passenden Sätzen begleitet. Hier spielt der Spaßfaktor eine große Rolle, der bei der Spracharbeit nicht fehlen sollte. Dieser kommt auch in den sich anschließenden kurzen Sketchen und Theaterstücken zum Tragen. Diese Sketche berücksichtigen auch den Wortschatz aus vorangegangenen Kapiteln und werden mit der Unterstützung des Lehrers eingeübt und nach Möglichkeit auch vorgestellt. Bei der Dialogarbeit, den Bewegungsgeschichten und der Arbeit mit Sketchen geht es darum, Redemittel und Satzstrukturen einzuüben, die richtige Aussprache und Betonung zu lernen und Freude an der neuen Sprache aufzubauen.

Im Arbeitsheft der Kinder finden sich alle Übungen und Texte wieder und können auch gelesen werden. Durch vorgegebene Muster werden die Schüler schließlich in die Lage versetzt, kurze eigene Texte zu entwickeln und aufzuschreiben. Eine Wörtersammlung zum Themenbereich schließt jedes Kapitel ab. Hier bieten sich verschiedene Anwendungs- und Differenzierungsmöglichkeiten an.  

Zudem werden immer wieder Sprechgesänge (rhythmisches Sprechen, Raps) oder Lieder eingefügt, die meistens auch mit Bewegungen begleitet werden.

Insgesamt geht es in der Spracharbeit in erster Linie um das Hör- und das

Hör-/Sehverstehen. Es nimmt mit 50% den größten Raum ein. Das Sprechen steht mit 30% an zweiter Stelle. Der Bereich Leseverstehen hat einen Umfang von 20% und beinhaltet auch das angeleitete Schreiben.

 

3.2.3 Zusatzmaterial

In verschiedenen Projekten entstanden außerdem Bücher, Hefte und Spiele sowie Lieder, die auf CDs festgehalten wurden und ein Hörspiel. Dies Material liegt den Grundschulen vor und kann in den AGs, im Immersionsunterricht oder im Deutschunterricht eingesetzt werden. Außerdem gibt es die „Seelterapps“ auf einer Plattform im Internet. Hier findet man Übungen zu verschiedenen Fächern.  

 

3.2 Zweisprachiger Unterricht - Saterfriesischklassen

Im Schuljahr 2010/2011 wurde damit begonnen, in einer ersten Klasse zweisprachigen Unterricht nach der Immersionsmethode zu erteilen.

Dies geschah zunächst täglich in Teilen des Erstunterrichts. Mit Beginn des Schuljahres 2011/2012 war die Unterrichtssprache in dieser Klasse in den Fächern Sachunterricht, Mathematik, Kunst und Musik Saterfriesisch.
Während sich der Immersionsunterricht in dieser Klasse auch in den nächsten beiden Schuljahren in verschiedenen Fächern fortsetzte, wurden in den folgenden Jahren weitere Saterfriesischklassen – jeweils ein 1. Schuljahr – eingerichtet und der Immersionsunterricht in verschiedenen Fächern bis zum Ende der 4. Klasse weitergeführt.   

Leider konnte in den Schuljahren 2016/17, 2017/18 und 2018/19 aus verschiedenen Gründen keine neue Saterfriesischklasse eingerichtet werden. Dies gelang erst wieder im Schuljahr 2019/20.

Im Immersionsunterricht wird nicht nur saterfriesisch gesprochen, sondern auch angestrebt, möglichst viel Unterrichtsmaterial in saterfriesischer Sprache einzusetzen. Dabei handelt es sich um Lesetexte, Arbeitsblätter und jegliches Material, das Schriftsprache beinhaltet. Es wird also saterfriesisch gesprochen, gelesen und auch geschrieben, wobei die schriftlichen Anteile gering sind und bei der Beachtung der Schreibweise immer auf Hilfsmittel zurückgegriffen werden kann.

Da das saterfriesische Unterrichtsmaterial zunächst von den unterrichtenden Lehrern erstellt werden muss, befindet sich die Sammlung im Aufbau.

 

3.2.1 Das Modellprojekt

Die Litje Skoule Skäddel war am Modellprojekt „Ostfriesland und das Saterland als Modellregion für frühe Mehrsprachigkeit“ beteiligt. Das Projekt der Ostfriesischen Landschaft ging im Februar 2012 an den Start und endete im Sommer 2019. Ziel des Projektes war die Einführung von Immersionsunterricht mit der Zielsprache Saterfriesisch (bzw. Plattdeutsch in Ostfriesland) in möglichst vielen Fächern einer Klasse.

Die 3 beteiligten Lehrer unserer Schule nahmen an mehreren Kursen zur Mehrsprachigkeit teil. Eine sprachliche Ausbildung in der saterfriesischen Sprache fand seit August 2011 in Zusammenarbeit mit Erzieherinnen aus allen Kindergärten des Saterlandes in wöchentlichen Treffen statt. Unser Plan sah vor, den Kindern bereits im Kindergarten zweisprachig zu begegnen und diese Arbeit in der Grundschule fortzusetzen.

Dieser Plan ist aufgegangen. Im Kindergarten in Scharrel wird die saterfriesische Sprache auch heute durch zwei Erzieherinnen in den Kindergartenalltag eingebracht, sodass alle Kinder mit der Sprache in Berührung kommen. Die Erzieherinnen werden von ehrenamtlichen Helfern unterstützt, die einmal pro Woche in den Kindergarten kommen.

 

3.3 Saterfriesisch im Deutschunterricht

Saterfriesisch soll aber nicht nur in unseren Arbeitsgemeinschaften bzw. in den Saterfriesischklassen unterrichtet werden. Laut Kerncurriculum für das Fach Deutsch soll es auch im allgemeinen Deutschunterricht seinen Platz finden und so allen Schülern zugänglich gemacht werden durch Sprachbetrachtung und Sprachvergleiche, aber auch durch die Präsentation der besonderen Kompetenzen der Sprecherinnen und Sprecher.  Alle Lehrer, die das Fach Deutsch unterrichten, beschäftigen sich also auch mit diesem Thema. Die meisten Lehrer unserer Schule sprechen (und lesen) Niederdeutsch, haben aber keine Kenntnisse bezüglich des Saterfriesischen.

Bereits im Sommer 2008 fand eine zweitägige, schulinterne Fortbildung zum Thema „Saterfriesisch“ statt, an der das gesamte Kollegium teilgenommen hat. Es ging dabei um die Geschichte des Saterlandes, aber auch um Einblicke in die Sprache und den Erwerb erster saterfriesischer Wörter und Floskeln.

Die Ergebnisse des geschichtlichen Teils dieser Fortbildung wurden in kindgerechter Form auf Plakaten festgehalten und sind in unserer Schule ausgestellt. Auf diese Weise können sie auch als Anschauungsmaterial für den Unterricht dienen.

Außerdem wurden einige Unterrichtsvorschläge (für Saterfriesisch und Plattdeutsch) zusammengetragen, die in der Schule für alle bereit stehen.

Im Frühjahr 2012 wurde vom Arbeitskreis „Seeltersk inne Skoule“ Unterrichtsmaterial zum Thema „Saterfriesisch im Deutschunterricht“ zusammengestellt. Sprachvergleiche, Lesetexte, Lieder und Gedichte stehen allen Lehrern der Grundschulen im Saterland nun für den Einsatz im Deutschunterricht zur Verfügung.

 

  1. Öffentlichkeitsarbeit

Das Saterfriesische hat in unserer Schule einen besonderen Stellenwert und wird auf unterschiedliche Art im Schulleben sichtbar.

Im Jahre 2008 bekam unsere Schule den saterfriesischen Namen „Litje Skoule Skäddel“, der auch als Schriftzug am Schulgebäude zu sehen ist.

In der Eingangshalle gibt es die „Litje Timpe ap Seeltersk“ (kleine saterfriesische Ecke).

Hier findet man Texte und Bilder zur Jahreszeit oder passend zu schulischen Veranstaltungen. Außerdem wird hier auf besondere Veranstaltungen (z.B. Lesewettbewerb) hingewiesen und deren Dokumentationen (Fotos, Zeitungsartikel) gezeigt. Zum Teil gibt es auch interaktive Angebote.
Im Schulgebäude und insbesondere im Klassenraum der Saterfriesischklassen sind saterfriesische Bezeichnungen zu finden. Die Benennung der einzelnen Klassenräume mit saterfriesischen Namen ist auf den Weg gebracht und wird in Kürze erfolgen.

An allen Schulveranstaltungen (Nikolausfeier, Schulfest, Jubiläen, Weihnachtsfeiern usw.) beteiligen sich auch die Schüler der Saterfriesisch-AGs mit einem Beitrag.

Angelehnt an „Platt is cool“ gilt bei uns im Saterland „Seeltersk is cool“. Durch diese Initiative der Landesschulbehörde werden wir unterstützt durch Plakate, Postkarten und verschiedene Aktionen. So heißt es im September an unserer Schule „Fräindai is Seelterdai“. An jedem Freitag im September nehmen alle Klassen mit verschiedenen saterfriesischen Aktionen daran teil.
Auch den Theatertagen für unsere Region nahmen Saterfriesischklassen teil.

In unregelmäßigen Abständen feiern wir an unserer Schule einen Sprachentag. Hier können sich einzelne Schüler, Gruppen oder ganze Klassen mit Beiträgen in unterschiedlichen Sprachen einbringen. Dabei sind natürlich auch die Schüler der Saterfriesisch-AGs oder der Saterfriesischklassen vertreten.
Alle zwei Jahre nehmen viele Schüler am saterfriesischen Lesewettbewerb teil (siehe unten).
In unserer Schülerbücherei können saterfriesische Bücher ausgeliehen werden.

 

4.1 Der Lesewettbewerb

Im Zweijahresturnus findet der plattdeutsche und saterfriesische Lesewettbewerb statt, der von der Oldenburgischen Landschaft in Kooperation mit der LzO ausgerichtet wird. Die Schüler der dritten und vierten Klassen können daran teilnehmen. Nach einem schulinternen Wettstreit um den besten Leser, wird der Sieger auf Gemeindeebene ermittelt.

Der schulinterne Lesewettbewerb wird unterstützt von Mitgliedern des Heimatvereins Seelter Buund, die zusammen mit der Lehrkraft die Jury bilden.

Eingeladen sind auch Pressevertreter, sodass über diesen Wettstreit in den hiesigen Tageszeitungen berichtet wird. 

Die Ausscheidung auf Gemeindeebene findet seit 2005 im Rathaus der Gemeinde Saterland in Ramsloh statt. Sie ist eingebettet in ein Rahmenprogramm, das von den Arbeitskreismitgliedern oder teilnehmenden LehrerInnen zusammengestellt und durchgeführt wird. Unterstützung gibt es auch hier von freiwilligen Helfern sowie von der Gemeindeverwaltung.

Als Zuschauer eingeladen sind die bereits schulintern ausgeschiedenen Teilnehmer des Wettbewerbs, die Jurymitglieder sowie alle interessierten Eltern und Mitschüler.

Auch hier gibt es einen Pressebericht.

 

 

  1. Material

Das folgende Material ist nicht über den Handel erhältlich. Bei Bedarf wenden Sie sich bitte an unsere Schule.

 

Edith Sassen/Ingeborg Remmers, Seeltersk lopt 1. Saterland 2017

 

Edith Sassen/Ingeborg Remmers, Seeltersk lopt 2. Saterland 2018

 

Edith Sassen/Ingeborg Remmers, Seeltersk lopt 3. Saterland 2019

 

Torben Hinrichs, Der Saterfuchs – das Buch. Auf der Suche nach der

                            saterfriesischen Sprache / Die Seelterfoaks – dät Bouk.  

                            Seeltersk säike. Saterland 2015

 

Torben Hinrichs, Der Saterfuchs – das Buch zum Selbermachen. Saterfuchs in der

                            Schule / Die Seelterfoaks – dät Säärm-moak-Bouk. Seelterfoaks

                            inne Skoule. Saterland 2016

 

„Sjung mäd uus“ – eine CD mit saterfriesischen Liedern, eingesungen von Schülern aus dem Saterland, musikalische Arrangements von Angelo, 2019/20

 

„O, wät fluch is Panama“ – ein Hörspiel nach dem Kinderbuch von Janosch „Oh, wie schön ist Panama“ bzw. der Übersetzung „O, wät fluch is Panama“ von Gretchen Grosser, 2018

 

Übungsmöglichkeiten „Seelterapps“: https://learningapps.org/user/seelterapps

 

 

  1. Ausblick

 

Über viele Jahre hat uns unser Konzept, das sich auf verschiedene Pfeiler stützt, vorangebracht und getragen, obwohl nicht alle Pfeiler auf ganz festem Boden stehen. Ausgebaut wurde der Bereich Unterrichtsmaterial und Zusatzmaterial. Auch die Sicht- und Hörbarkeit der Sprache wurde erhöht. Trotzdem benötigen wir für die folgenden Jahre unbedingt eine hörbare Fassung der Unterrichtswerke „Seeltersk lopt“ 1-4, damit auch Nicht-Muttersprachler mit diesem Material selbständig und ohne Bedenken arbeiten können.

In den letzten Jahren gab es aber Einbrüche im Bereich Immersionsunterricht. Fallende Schülerzahlen und andere Gründe führten dazu, dass keine 100%-Zustimmung der Eltern erreicht werden konnte und damit keine Saterfriesischklasse zustande kam. Wir wollen dem begegnen, indem noch mehr Information an die Eltern herangetragen und deren Einbeziehung erweitert wird. Wünschenswert wäre auch eine Änderung dieser 100%-Regelung.
Es hat sich in den letzten Jahren herausgestellt, dass es für uns nur eine verlässliche Art der Sprachvermittlung (gemeint ist Spracherwerb, nicht Sprachbegegnung) geben kann, nämlich die Einführung eines verbindlichen Sprachunterrichts Saterfriesisch.

Auch deshalb ist es schon jetzt unsere wichtigste Aufgabe, Lehrkräfte zu finden, die unsere Arbeit unterstützen und weiterführen.

 

  1. Literatur:

Oksaar, Els: Spracherwerb im Vorschulalter. Einführung in die Pädolinguistik. Stuttgart 1977. 2. erweiterte Auflage 1987.

 

Oksaar, Els: Soziokulturelle Perspektiven von Mehrsprachigkeit und Spracherwerb. Tübingen 1987.

 

Wode, Henning: Lernen in deer Fremdsprache – Grundzüge von Immersion und bilingualem Unterricht. Ismaning, Hueber 1995.

 

Brückmann, Elke: Frühe Mehrsprachigkeit in der Grundschule. Eine allgemeine Einführung. Aurich 2000.

 

Nath, Cornelia: Regionalsprachenförderung in Ostfriesland. 1995.

 

Erlass „Die Region und die Sprachen Niederdeutsch und Saterfriesisch im Unterricht“ (RdErl. des MK v. 1.6.2019 – 32 – 82101/3-2, gültig ab 1.8.2019)

 

Nds. Kultusministerium (Hrsg.): Kerncurriculum für die Grundschule Schuljahrgänge 1-4. Deutsch. Hannover 2017.

 

Marron Curtis Fort, Saterfriesisches Wörterbuch, Hamburg 2015

 

http://www.saterfriesisches-wörterbuch.de

 

Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen

Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen: Handkommentar  von Sigrid Boysen, Jutta Engbers u.a. August 2011

 

 

Stand: März 2020/Re